Komm Ins Offene

KOMM! INS OFFENE, FREUND:IN!

Komm! ins Offene, Freund! 

ruft Hölderlin zu Beginn seines Gedichtes „Der Gang aufs Land“ seinem Freund Landauer zu. Er will mit ihm einen Spaziergang machen, um sich vom Gefühl der schwer auf ihm lastenden „bleiernen Zeit“ zu befreien.

Bleiern“ könnte man auch unsere Zeit nennen. Die Pandemie, die Folgen des Klimawandels, die globale Migration, das Fortschreiten antidemokratischer Tendenzen, die zunehmende Stärke totalitärer Regime, der Krieg in Europa, aber auch die digitale Revolution haben zu Verunsicherungen und zur Wahrnehmung der Gegenwart als Krise geführt. Einer Krise, die sich scheinbar mit den herkömmlichen Mitteln der Politik nicht mehr bewältigen lässt. Wie geht es weiter? Gemeinsam mit Ihnen wollen wir in der Spielzeit 22 / 23 alternativen Zukunftsentwürfen nachspüren. Dazu haben wir Stoffe und Geschichten für Sie ausgewählt, die nach dem Möglichen suchen, Utopien eröffnen und die kreativen Energien aller nutzen, um die Krise zu überwinden.

In ihrer eigenen bleiernen Zeit lebt die Tänzerin Odette. Als Mädchen ist sie missbraucht worden, im Alter von 30 Jahren macht sie sich an die Aufarbeitung. In einem furiosen, gesprochenen und getanzten Monolog legt Corinne Steudler Zeugnis davon ab, dass es die Kräfte der Selbstheilung gibt, wenn man bereit ist, sich selbst zu begegnen. Auch wenn das manchmal grotesk komisch ist. Und weh tut. Mit TANZ DER WUT der französischen Autorin Andrea Bescond eröffnen wir die Spielzeit. Um uns alle zu sensibilisieren. Und um den Betroffenen Mut zu machen, sich Hilfe zu suchen.

Um unseren bleiernen Umgang mit geistig Behinderten geht es in dem neuen, sehr warmherzigen und humorvollen Klassenzimmerstück SIMPEL von Marie-Aude Murail. Der Student Colbert zieht mit seinem geistig behinderten Bruder Simpel in eine WG. Nach einigen chaotisch verlaufenden Versuchen gelingt es den WG-Bewohner*innen Simpel gemeinsam zu betreuen. Simpel findet sogar eine Simpeline und so zeigt uns die Geschichte der beiden Brüder, dass Integration von geistig Behinderten möglich ist, wenn wir die Scheu verlieren und uns als Gesellschaft die Betreuungsverantwortung teilen.

Der Bürgertheaterclub des T:K unter der Leitung von Johannes Lang zeigt  DIE UNGLAUBLICHE TRAGÖDIE VON RICHARD III. von Shakespeare in der brüllend komischen Bearbeitung des österreichischen Kabarettisten Michael Niavarani. Gespielt wird im Gasthaus Hirsch in Krugzell. Eine warme Mahlzeit und Vergnügen sind garantiert, denn Niavarani – Sohn eines Persers und einer Wienerin – ist Spezialist für humorvolle Vertreibung alles Bleiernen.

HEIDI, das ist die Geschichte eines außergewöhnlichen Mädchens, das dank seines offenen und liebevollen Wesens die Gabe hat, jedermanns Herz zu öffnen Und HEIDI wird auf der großen Bühne gespielt von Corinne Steudler, Roman Just, Lara Waldow und Julia Jaschke. Neu in Ensemble des T:K ist der Schweizer Schauspieler Christoph Bangerter – er wird den Alm-Öhi spielen. Das Bühnenbild wird Stefan Morgenstern entwerfen, dessen großartige Ausstattung zum RÄUBER HOTZENPLOTZ Sie im Dezember wiedersehen können.

Um Freundschaft und gegenseitige Hilfe und Unterstützung geht es in der Komödie ROBISNON UND CRUSOE, die wir ab März 2023 als Koproduktion mit dem Teatro Sauzal, Teneriffa in deutscher und spanischer Sprache zeigen werden. Wir setzen damit unser Konzept, Theaterstücke in mehreren Sprachen zu präsentieren fort. Sie erleben Hans Piesbergen zusammen mit dem spanischen Schauspieler Carlos Belda. Erzählt wird die Geschichte von zwei Schiffbrüchigen, die sich auf ein im Meer schwimmendes Hausdach retten können, aber leider keine gemeinsame Sprache sprechen. Bleiern lastet die Ungewissheit und Fremdheit anfangs auf den beiden. Aber aus den Feinden werden allmählich Freunde, denen es gelingt, ihre Situation gemeinsam zu meistern.

Die Spielzeit beenden wird WIE IM HIMMEL nach dem Film von Kay Pollack, ein Stück über die alles Bleierne auflösende Kraft des Chorgesanges. In den Jahren der Pandemie ist der Chorgesang zum Erliegen gekommen. Lassen Sie uns gemeinsam wieder starten und einen Theaterchor aus Schauspieler*innen und gesangsbegeisterten Amateur*innen gründen. Gemeinsam bringen wir WIE IM HIMMEL auf die Bühne. Unser verbindendes Element wird der gemeinsame Gesang und die Musik sein. Geleitet wird unser Chor von Ensemblemitglied Sebastian Strehler und der Münchner Sopranistin Lili König.

Bleiernes Schweigen – das zeigt WIE IMN HIMMEL ganz deutlich – muss sich auflösen in Dialog. Selbst wenn der manchmal schmerzhaft ist.

Zusätzlich zu unseren Eigenproduktionen und Wiederaufnahmen – wie dem Sensationserfolg HEIMATWUNDER – erwarten Sie eine Reihe wunderbarer Meisterkonzerte, die Dr. Tröger vor seinem für Sie und uns alle schmerzlichen Tod noch für Sie zusammen gestellt hat, sowie die von Michael Schönmetzer ausgesuchten AkusT:K-Konzerte.

Und bereits ab 29. Juli 2022 erleben Sie einen besonderen Höhepunkt: DAVID BOWIE hat im Stadttheater Premiere – für alle Bowie-Fans und Glam-Rock-Liebhaber*innen ein unbedingtes Muss. Hans Piesbergen, Sebastian Strehler und Michael Schönmetzer lassen die Musik und den Zeitgeist der 1960er, 1970er und 1980er Jahre wieder auferstehen. Mit viel Witz erzählen sie das Leben des unsterblichen Verwandlungskünstlers Bowie und seiner berühmten Zeitgenossen wie Brian Eno, Iggy Pop und Lou Reed. We can be heroes!

Wir können Helden sein. Und uns gemeinsam auf die Suche nach Wegen aus der Krise machen. Begleiten Sie uns – sprechen Sie mit uns – seien Sie bei uns – wir versprechen, es wird nicht langweilig.

Komm, ins Offene, Freund:in!

Ihre Silvia Armbruster und Thomas Siedersberger

Das Theater ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt haben, um bis an ihr Lebensende weiter zu spielen.

Max Reinhardt